Johann Bossard: Idealporträt von Jutta Bossard im Schnee (1950)

Das Gemälde mit der Inventarnummer JB 1863 ist eines der spätesten von Johann Bossard geschaffenen Werke. Laut der Beschriftung auf der Rückseite (die nicht von Johann Bossard aufgetragen wurde) entstand es am 1.2.1950, also wenige Wochen vor dem Ableben von Johann Bossard am 27. März desselben Jahres.

Gezeigt sind Kopf und Teile des Oberkörpers einer Frau im Dreiviertelprofil. Sie schaut aus dem Bild heraus nach oben. Gesicht und Hals lassen keinerlei Falten erkennen. Das Gemälde wird stark von der Wirkung der verwendeten Farben dominiert: Das Kopfhaar der Dargestellten ist strahlend gelb-blond, ebenso wie ihr Hut und Teile der Kleidung. Der Hintergrund und die Bekleidung unterhalb der Achseln sind in Türkis mit orangefarbenen und roten Akzenten gehalten. Über die gesamte Bildfläche sind weiße, pastos aufgetragene Farbtupfen verteilt, so dass der Eindruck von fallenden Schneeflocken entsteht.

Vergleiche mit Fotografien und anderen Porträts belegen, dass in dem Gemälde Jutta Bossard dargestellt ist, die Anfang 1950 allerdings schon 47 Jahre alt war. Die niedrigen Temperaturen empfindet sie offenbar nicht als unangenehm. Ihr leicht geöffneter, lächelnder Mund und der Blick nach oben lassen sie vielmehr glücklich-verklärt erscheinen. Es handelt sich um ein Idealporträt, in dem Johann Bossard kurz vor seinem Tod noch einmal das innere Wesen seiner Frau gewürdigt hat: ihre innere Schönheit und ihre positive Geisteshaltung.

Das Gemälde ist damit ein charakteristisches Beispiel für Johann Bossards Ziel, in seiner Kunst das „Spirituale“ festzuhalten. Außerdem zeigt es ihn als passionierten Koloristen, der seine Gemälde von der Farbwirkung ausgehend plante und konzipierte. Dafür wich er vermutlich auch vom Naturvorbild ab, denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass Jutta Bossard im Jahr 1950 derartig bunte Kleidung besessen hätte.