Jutta Bossard: Kerzenleuchter in Drachenform, o.J. (um 1935)

Der von Jutta Bossard geschaffene Kerzenleuchter in Drachenform ist eine Anlehnung an den Dragestil („Drachenstil“) oder auch „urnordischen“, „altnordischen“ Stil, wie er in Dänemark und Schweden genannt wurde. Der Kerzenhalter ist aus Holz gearbeitet und hat sechs Kupfereinsätze für Kerzen. Er visualisiert das Interesse Jutta und Johann Bossard an der Vorvergangenheit im nördlichen Europa, welche in vielen Arbeiten der Bossards wiederzufinden ist.

Der Drachenstil fand seinen Ursprung im frühen 19. Jahrhundert in Norwegen und war vor allem in Skandinavien sowie in Deutschland weit verbreitet. Die Wikinger samt ihrer Kunst sowie die Architektur von Skandinavien waren die wichtigsten Inspirationsquellen für den Dragestil. Gerade die im Norden liegenden Länder begeisterten sich für das Wiederaufleben der nordischen Vergangenheit und das Hervorheben eines gemeinsamen Mythenerbes, welches ihnen wohl ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelte. Viele Architekten, Historiker, Schriftsteller und bildende Künstler beschäftigten sich damals mit dem Thema und ließen Motive aus der typisch nordischen Kunst und Saga-Literatur wieder aufleben, wie zum Beispiel Schlangen- und Drachenmotive. Auch für Jutta und vor allem für Johann Bossard war die nordische Mythologie unverkennbar eine Quelle der Inspiration.

Jutta Bossard hat zwei Kerzenleuchter in diesem Stil geschaffen, welche heute im Eddasaal zu finden sind. Da Johann Bossard im Eddasaal die nordische Mythologie verbildlichte, fügen sich die Kerzenleuchter sehr gut in das Gesamtbild ein. Ursprünglich gehörte noch ein 5m langer Tisch in die Einrichtung des Eddasaals, welcher zu besonderen Anlässen oder bei Besuch aufgebaut wurde, um in großer Runde beisammenzusitzen, zu essen und zu feiern. Die Kerzenleuchter hatte Jutta Bossard speziell für diesen Tisch angefertigt.

Jutta Bossard: Kerzenleuchter in Drachenform, o. J. (um 1935), Holz und Kupfereinsätze für Kerzen, H. 25cm, B. 108cm, T. 18cm , Inv.-Nr. JB 1807

Foto: Jürgen Müller Photography & Concepts