Johann Bossard: Selbstporträt

Johann Bossard: Selbstporträt

um 1928–1939, Rötel und Pastellkreide auf Papier, Inv.-Nr. JB 563

Wohl zwischen 1928 und 1939 ist diese Grafik von Johann Bossard entstanden. Zu sehen ist im Zentrum des Blattes ein Porträt eines älteren Mannes mit Glatze und Brille. Es handelt sich dabei um ein Selbstporträt von Johann Bossard. Die markante Kopf- und Gesichtsform sowie die Brille und der Oberlippenbart haben deutliche Ähnlichkeit zu historischen Fotografien des Künstlers. Das Porträt ist abbildhaft wiedergegeben, ohne stark idealisierend zu wirken. Während der Kopf Bossards sehr detailliert gezeichnet ist, sind Kragen und Schulterpartie nur mit wenigen Linien skizziert, was das Gesicht mehr ins Zentrum rücken lässt.

Unter dem Porträt ist ein abstrakter Kopf in Pastellfarben gezeichnet. Er ist deutlich kleiner und steht somit nicht so stark im Zentrum wie das Porträt. Der Kopf ist leicht gesenkt und scheint geschlossene Augen zu haben. Links dahinter ist ein dunkler Schatten angedeutet. Die Kontur des Kopfes ist mit wenigen Linien und Schraffuren skizziert, die Kopfform und die Proportionen lassen dennoch erkennen, dass Johann Bossard sich hier selbst dargestellt hat

Das Blatt verbildlicht die künstlerische Bandbreite von Johann Bossard, da er immer wieder verschieden Stile miteinander kombiniert und vermischt hat: In diesem Blatt das Abbildhafte, Akademische für das repräsentative Porträt als selbstbewusster Künstler, das Skizzenhafte und Expressive hingegen für die künstlerisch freie Form, in der auch die Erschöpfung des Dargestellten zum Ausdruck kommen darf.

Das Kunstwerk ist noch bis zum 5. Mai in der aktuellen Ausstellung „Über dem Abgrund des Nichts“ – Die Bossards in der Zeit des Nationalsozialismus zu sehen.